Jazz and Music
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V. SESSION WORK FESTIVAL 6. - 11. Juni 2017

Loktor Of Heaven (SWR77)

€15.00

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Review:

LOKTOR – „Loktor Of Heaven“

Ja, Jazz kann auch tanzbar sein. Zumindest kann man zu dem Schluss kommen, hört man sich durch „Loktor Of Heaven“ (Session Work Records), dem neuen Album des Steirer Dreiers LOKTOR.

Eins vorweg, wirklich viel mit Jazz hat das von den drei Musikern Bernhard Ludescher (Piano, Keyboards), Thomas Stabler (Schlagzeug) und Thomas Wilding (Bass) Zu-Gehör-Gebrachte nicht mehr wirklich viel zu tun. Natürlich spielt er eine Rolle, doch mehr, als das Trio sich tatsächlich an diesem orientiert und abarbeitet, erweitert es dessen musikalisches Spektrum um viele andere stilistische Facetten. So hält im Fusion-Sound von Loktor viel Funk Einzug, ebenso erinnern die Synthiespielereien mehr an die großen ElektronikpionierInnen der 70er- und 80er-Jahre wie Jean Michel Jarre und Konsortinnen und Konsorten denn an wirklich irgendetwas Jazzartiges. Unüberhörbar ist auch die Vorliebe für Musikformen wie Hip-Hop und zum Teil Disco. Zum Drüberstreuen, als ob der Sound nicht schon so vielfältig genug wäre, klingen da und dort auch noch leichte Elemente aus der südamerikanischen Musik durch.

Abwechslungsreich und grooveorientiert

Aber auch sonst verfolgt das Dreiergespann eine eher jazzuntypische Linie. Loktor setzt auf Eingängigkeit. Wirklich hochkomplex geht es eigentlich eher selten zur Sache, was aber jetzt nicht bedeutet, dass die Kompositionen vom spielerischen Standpunkt her einfacher Natur sind. Nein, ganz im Gegenteil, Bernhard Ludescher und seine Kollegen wissen mit ihren Instrumenten sehr wohl umzugehen, nur lassen sie diesen Umstand nie wirklich spürbar werden. Und genau hier offenbart sich auch eine der Stärken dieses Dreiergespanns: Die Musik befindet sich in einem steten Fluss, in einem, der oftmals sogar ins rein Tanzbare hineinreicht und sich gerade deswegen sehr schnell erschließt. 

Jazz, der zum Tanzen einlädt

Die in einen warmen Grundsound gehüllten und detailreich ausgearbeiteten Nummern haben Drive und strotzen nur so vor Dynamik. Ihre Spannung erhält die Musik von Loktor vor allem durch die immer wiederkehrenden Steigerungen und Verdichtungen sowie durch unentwegte, von abrupten Tempowechseln markierte Wechsel  zwischen „laid back“ und im Klang reduzierten melodiereichen Momenten und ungemein verspielten und mit waghalsigen Improvisationen versetzten Passagen. Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass alles – von der ersten bis zur letzten Sekunde – unangestrengt wirkt, dass sich die Nummern gerade aus diesem Grund wirklich auf kürzestem Wege erschließen.  

Mit „Loktor Of Heaven“ legt das Trio um Bernhard Ludescher auf jeden Fall ein Album vor, an dem mit Sicherheit nicht nur FreundInnen des Jazz ihre Freude haben dürften.

Michael Ternai (www.musicaustria.at)

Foto Loktor © Stefan Lozar